Positionen

Come mothers and fathers throughout the land
And don’t criticize what you can’t understand.
Your sons and your daughters are beyond your command,
Your old road is rapidly aging.
Please get out of the new one if you can’t lend your hand
For the times they are a-changin’.

In einer Gesellschaft, in der es immer mehr Alte und immer weniger Junge gibt, kommt es darauf an, die politische, soziale und ökonomische Repräsentation und Beteiligung der jungen Generation zu sichern – ihre Minderheitenrechte, wenn man so will. Junge Menschen sind aber nicht nur eine als solche zu schützende Minderheit – sie sind die eigentlichen Repräsentanten der Zukunft. Die Zukunft der Gesellschaft mitzugestalten liegt im vitalen Interesse derjenigen, die diese Zukunft durchleben werden – und es liegt im vitalen Interesse der Gesellschaft, in einer sich immer schneller wandelnden Welt diejenigen zu beteiligen, die die Lösungen für die Probleme der Gegenwart nicht in der Vergangenheit suchen, sondern konsequent nach vorne blicken.

Unsere Zeit bildet ein Netzwerk, das dafür Sorge trägt, dass die Interessen der jungen Generation in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien vertreten sind und einen Unterschied machen. Das betrifft unter anderem folgende Themen:

  • Politische Partizipation und Repräsentation. Wie kann man in einer sich demographisch wandelnden Gesellschaft, die politisch auf demokratische Mehrheitsbildung angewiesen ist, gewährleisten, dass die Interessen der jungen Generation nicht unter die Räder geraten? Welche Formen politischer Partizipation sind in unserer individualisierten, digitalen Welt zeitgemäß? Hierzu gilt es, Ideen zu entwickeln: von Quotenregelungen in Parlamenten über eine Herabsetzung des Wahlalters und digitale Demokratieformen bis zu einer neuen gesellschaftlichen Debatte über Generationengerechtigkeit.
  • Migration und Identität. Wir sind die mobilste Generation, die jemals gelebt hat. Unsere Mobilität macht – gerade unter den Bedingungen einer globalisierten Welt – an den von vergangenen Generationen festgesetzten nationalen Staatsgrenzen keineswegs halt. Nationale Identitäten, geschlossene Grenzen und restriktive Migrationsregime sind deshalb für uns keine naturgegebene Selbstverständlichkeit mehr, sondern Relikte vergangener Zeiten, die unseren Austausch mit Menschen in und aus anderen Ländern und Kontinenten behindern und erschweren. Wir glauben, dass Staatlichkeit, Grenzen und Identität im neuen Jahrtausend fundamental neu gedacht werden müssen. Denn die Schließung von Grenzen und die Errichtung von Zäunen und Mauern, die heute vielfach gefordert und betrieben werden, ist für viele von uns eine ganz konkrete Gefahr, die unsere Freundschaften, Beziehungen und Familien, unsere Lebensweise überhaupt unmittelbar betrifft und infragestellt.
  • Europa. In einer globalisierten Welt sind viele der wichtigsten politischen Probleme nicht mehr auf nationalstaatlicher Ebene lösbar. Obwohl diese offensichtliche Tatsache in kleinen und großen Krisen immer wieder bestätigt wird, halten sich Politik und Medien noch immer an der aus dem letzten Jahrtausend stammenden Fiktion nationaler Souveränität fest. Das führt zu einer Unterentwicklung demokratischer Strukturen auf supranationaler Ebene – der einzigen Ebene, auf der die großen Herausforderungen unserer Zeit noch entschieden angegangen werden können. Wenn wir in Zukunft noch an der demokratischen Gestaltung der Welt beteiligt sein wollen, kann es nur eine Antwort geben: die Vereinigten Staaten von Europa.
  • Urbanität und Vielfalt. Wir sind auch die urbanste Generation, die je gelebt hat. Die Städte, in denen wir wohnen, sind Orte der Vielfalt. Hier leben auf engstem Raum Menschen zusammen, deren Herkunft, Sprache, geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung unterschiedlicher kaum sein könnte. Diese Vielfalt bedeutet für uns Freiheit und Bereicherung. Forderungen nach einem Zurück zur alten Homogenität treten wir deshalb energisch entgegen.
  • Technologie und Gesellschaft. Das Internet und die explosionsartige Weiterentwicklung technischer Möglichkeiten haben nicht nur die Bedingungen des heutigen Wirtschaftens, sondern auch des menschlichen Zusammenlebens überhaupt fundamental verändert. In den politischen, unternehmerischen und medialen Entscheidungspositionen sitzen jedoch allzuoft Menschen, deren Bezugs- und Orientierungspunkte in der analogen Vergangenheit liegen. Wir dagegen können die Gefahren, vor allem aber die Chancen der neuen Technologien viel besser einschätzen. Das Internet ist für uns kein Neuland, sondern alltägliche Lebensgrundlage.
  • Bildung gehört zu den wichtigsten generationenpolitischen Themen. Die Zukunft kann nur gesichert werden, wenn jedem jungen Menschen die Möglichkeit zu einer umfassenden Bildung offensteht. Gute Bildung kann nur funktionieren, wenn sie der Vielfalt menschlicher Fähigkeiten und Talente gerecht wird, wenn sie in die Breite ebenso wie in die Tiefe ausgreift und wenn sie genug Platz für individuelle Wahlfreiheit offenlässt. Gute Bildung kostet Geld und Zeit. Beides sind Investitionen in die Zukunft, die kurzfristigen Wahlkampfkalkülen auf keinen Fall zum Opfer fallen dürfen. Dafür müssen wir als junge Generation Sorge tragen.
  • Arbeit. Die Arbeitsbedingungen und -verhältnisse haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Für viele unserer Eltern war es normal, nach der Schule oder Ausbildung in ein Unternehmen einzutreten, in dem sie für den Rest ihres Lebens täglich acht Stunden arbeiten würden. Diese Zeit ist vorbei, im Guten wie im Schlechten: Mit dieser Art von Sicherheit können wir kaum mehr rechnen, müssen uns aber auch nicht den Zwängen unterwerfen, die sie mit sich brachte. Wir wechseln in kurzen Abständen Arbeitsplätze und Wohnorte, sind aber auch nicht mehr zu unbedingter, lebenslanger Loyalität einem einzelnen Arbeitgeber gegenüber verpflichtet. Das alte System hat mit der Individualisierung und Flexibilisierung in unserer Generation nicht schrittgehalten; wir trauern ihm nicht hinterher. Und trotzdem müssen Fragen der Gerechtigkeit unter den Bedingungen von Individualisierung, Flexibilisierung und maschinellem und digitalem Wandel neu diskutiert werden: Wie können wir eine gerechte Entlohnung und faire Arbeitsbedingungen sicherstellen? Welche Rolle spielen dabei Gewerkschaften? Welche Arbeitszeiten sind in einer Welt gerecht, in der immer mehr Arbeit durch Maschinen und Computer verrichtet werden kann?
  • Zukunft des Kapitalismus. Nicht nur die Arbeit, das Wirtschaften überhaupt funktioniert heute anders als in früheren Generationen, und es wird sich weiter verändern. Unsere umfassende Vernetzung ermöglicht neue Modelle des Teilens, die nicht zuletzt auf einen ressourcensparenden Umgang mit unserem Planeten abzielen. Gleichzeitig suchen wir unter den Bedingungen ökonomischer Globalisierung und globaler Erwärmung nach Alternativen zu den Wachstumsvorstellungen des 20. Jahrhunderts, denen zufolge es nationale Ökonomien gibt, die unendlich vor sich hin wachsen. Nicht zuletzt müssen Fragen der Gerechtigkeit zwischen und innerhalb der Generationen in einer Welt neu gestellt werden, in der sich auch die Ungleichheit globalisiert.
  • Umwelt. Dass unser Planet für heutige und künftige Generationen bewohnbar bleibt, ist die Grundlage für alles vorher Gesagte. Es liegt auf der Hand, dass gerade die junge Generation hieran ein besonderes Interesse hat – geht es doch um ihren Planeten und ihre Zukunft. Wir sind es, die mit der intensivierten Migration umgehen müssen, die die globale Erwärmung mit sich bringen wird; wir sind es, die globale Solidarität beweisen müssen, wenn es um Umweltkatastrophen, globalen Hunger oder um Rohstoffkonflikte geht. Wir sind es deshalb auch,  die mitreden müssen, wenn Entscheidungen getroffen werden, die diese Zukunft verändern.

Kontakt: mail@unserezeit.eu

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