Wir schaffen das – Strategische Überlegungen zum Weltflüchtlingstag

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KEINE PANIK – In großen, freundlichen Buchstaben säumen diese Worte das Titelblatt des Reiseführers Per Anhalter durch die Galaxis in der gleichnamigen Science-Fiction-Komödie von Douglas Adams.

Diesen Ratschlag sollten wir uns in diesen Tagen der rhetorischen Eskalation und Schwarzmalerei in der Politik mehr denn je zu Herzen nehmen – auch oder besonders heute, am Weltflüchtlingstag. Die UNO-Flüchtlingshilfe hat dazu aufgerufen, eine lautstarke Antwort gegen Vorurteile, Hass und Gewalt in der Öffentlichkeit und besonders im Netz zu formulieren. Um die Dringlichkeit des Anliegens zu unterstreichen und Unterstützung zu mobilisieren, wurden uns auch die neuesten Zahlen der jährlichen Flüchtlingsstatistik mitgeschickt.

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#MeToo and The Naked Man: Ted Mosby, Barney Stinson, and Harvey Weinstein

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“You’re on a first date, you’ve had a few drinks, you make an excuse to go up to the girl’s apartment. Then, once she leaves the room, you strip down naked, and wait. When she comes back, she laughs. She is so charmed by your confidence and bravado and sleeps with you. Boom.” In the age of #MeToo, this scheme bears uncanny resemblances to the things we recently learned about public figures like Harvey Weinstein or Louis CK. But these are in fact the instructions to “The Naked Man,” a scheme of sexual seduction that is depicted in the homonymous title of Season 4, Episode 9 of US-America’s beloved Sit-Com How I Met Your Mother. The concept is introduced by one of Robin’s dates, a mediocrely attractive man, self-attestedly without qualities (“I’m not smart, funny, or handsome.”), with whom she still chooses to have sex. The gang gets hooked on the scheme since it promises an easily earned sexual experience with high chances of success: “works two out of three times – guaranteed.”

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Equality Before the Law? How Germany Discriminates Against “Undesired” Foreigners and Violates Fundamental Principles of Its Own Law

The German state punishes “undesired foreigners” as if they were part of Germany’s society, yet it denies them the fundamental rights of German citizens.

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Image by Velvet via Wikimedia Commons  CC BY-SA 3.0

 

The concept of statehood implies a classification of persons as citizens on the one hand and “foreigners” on the other hand. In the context of law in Germany, for example, “foreigners” are further sub-classified into persons that do not need a residence permit (like citizens of EU member states), persons with a residence permit, asylum seekers, and those without a residence permit. Within the residence law, norms are explicitly formulated for anyone who is part of the last two groups. Violations of aforesaid norms, like the violation of mandatory residence or simply staying in Germany without a residence permit, can result in a prison sentence of up to one year. “Foreigners” that the German state plans to deport also face incarceration.

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Where are you from? On political identity and community

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Photo by Marc Ruaix on Unsplash

 

Where are you from? From the time I was born, this question has continued to define and influence my life until today. Back then, it seemed rather irrelevant. This fact that I was not just born into this world and into a family but also into a very specific location. But through that, I was officially part of a nation. My very first achievement. It was something to be proud of, almost as important as my own name. Naturally, I wanted that nation to be great, just like I wanted my family to be happy. „Where are you from? On political identity and community“ weiterlesen

Die Documenta nach Trump

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Politische Interventionen?

Die Sieger schreiben Geschichte. Diese Definition prägte die europäische Historie über Jahrhunderte. Doch durch diese problematische Einordnung wurde, historisch gesehen, gerade auch verschleiert, dass Geschichte zu allen Zeiten ein komplexeres Phänomen war, als dies in Narrativen von Helden und großen Siegen erfasst werden kann. Man könnte meinen, dass in Zeiten des Internets, der Realityshows, der Kommentarspalten, der politischen Kommissionen und anonymen Terrororganisationen historische Dynamik als von außergewöhnlichen Individuen entkoppeltes Phänomen erklärt wird. Dass dem oftmals nicht so ist, hängt interessanterweise auch mit der bildenden Kunst zusammen. „Die Documenta nach Trump“ weiterlesen

Es lebe die europäische Revolution

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Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin und Publizistin, hat es schon wieder getan. Sie hat ein extrem streitbares Buch zu einem eigentlich wenig emotionalisierten Thema veröffentlicht: Europapolitik. Ihr Essay Der neue Bürgerkrieg. Das offene Europa und seine Feinde ist im besten Sinne des Wortes eine Streitschrift. Frau Guérot gelingt es erneut in einzigartiger Weise, das Thema der zukünftigen politischen Gestaltung Europas mit Leben zu füllen. Bei der Beschreibung der aktuellen Zustände, welche sie mit den Worten Verteilungs- und Kulturkampf oder gar Bürgerkrieg umreißt, schießt sie rhetorisch allerdings einige Male deutlich über das Ziel hinaus.

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What rules apply? EU Citizenship and Scotland

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To Liza

If there is a citizenship, you would all owe a duty of allegiance to the new Union. What else is citizenship about? There will be a duty to uphold its laws. What will happen if the allegiance to the Union comes into conflict with the allegiance to our own country?

Margaret Thatcher, speech in the House of Lords, 7th of June 1993

 

In 2014, it was reasonable for a Scot wishing to further enjoy the benefits of her country’s EU membership to vote “Remain” at the Scottish Independence Referendum. In 2017, her variety of options is virtually narrowed down to choosing between the least of the evils. Resisting the Scottish secession and the addition of “r” (“rest of”) to the remaining parts of the state once called “the United Kingdom” will only lead to Scots leaving Europe aboard with their English, Welsh and Irish compatriots. Supporting the campaign for the second independence referendum and, if successful, the case for Scottish independence may eventually lead to securing the future of Scotland in Europe. However, this path is far from being clear.

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Blockchain für jeden

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Vielleicht habt ihr schon von Bitcoin gehört – diesem Krypto-Geld aus dem Internet. Vielleicht habt ihr einen Freund oder eine Freundin, die euch bedenklich euphorisch von dieser neuen Technologie erzählt, die mal wieder „die Welt verändern wird“. Diese tut es wirklich. Und wenn ihr euch geärgert habt, dass ihr zu jung wart, als das Internet entstand – jetzt ist eure Chance.

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Wahlen sind für alle da

Wenn heute der neue Bundestag gewählt wird, dürfen über 20 Millionen Menschen in Deutschland nicht mitentscheiden, weil sie kein Wahlrecht haben – ein Skandal, der viel zu selten thematisiert wird.

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Parlamentswahlen sollten die Sternstunde der Demokratie sein, Fixpunkt öffentlicher Deliberation und Vollzug politischer Selbstregierung. Bei der (heutigen) Bundestagswahl sind allerdings Zweifel angebracht. Nicht nur, dass den Wählerinnen und Wählern eine falsche Dichotomie zwischen konservativer Alternativlosigkeit und reaktionärer Zeitreise aufgedrängt wird. Nicht nur, dass die rein nationale Mitbestimmung unzureichend ist, um die globalisierten Probleme des 21. Jahrhunderts zu lösen. Nein, der Defekt der deutschen Demokratie (und nicht nur dieser) ist noch fundamentaler: Obwohl über 82 Millionen Menschen in Deutschland leben, verfügen nur 61,5 Millionen über das Wahlrecht. Mehr als 20 Millionen Menschen sind bei dieser weitreichenden Entscheidung über unsere politische Zukunft ausgeschlossen. Das ist ein Skandal, über den endlich gesprochen werden muss.

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Smells Like German Spirit. Again.

Volksgemeinschaft – diesen Gestank kann die AfD nicht verbergen. Er strömt ihr aus allen Poren. Sie kann sich drehen und winden, sie bekommt ihn nicht los. Warum? Weil der Gestank ihr Markenkern, ihre Identität und ihr Fetisch ist.

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Republikanische Automaten. George Grosz. 1920.

Die AfD zu skandalisieren ist heute keine Kunst mehr, sondern gehört als Teil der Kulturindustrie zum alltäglichen Geschäft. Die AfD produziert so viel Hetze, dass es zwar Mühe macht, eine gute Story über ihre Menschenfeindlichkeit zu schreiben – sie im Detail zu finden, ist dagegen nicht schwer, weil die AfD die plurale, freiheitliche und rechtsstaatliche Demokratie jeden Tag beleidigt. Und da bad news kulturindustriell gewendet zu good news werden, ist die AfD ein Themengebiet indem Journalistinnen sich die Finger wund schreiben. Das Problem: die AfD ist mittlerweile so aktiv geworden, man kommt einfach nicht mehr hinterher. Internet, Fernsehen, auf Straßen und in Parlamenten. Überall werden abenteuerlichste menschenfeindliche Phrasen und Praktiken propagiert. Überall menschenverachtender weltanschaulicher Mief, der, schaut man in die Geschichte der Weltgesellschaft, schon immer irgendwie bestialisch gestunken hat, weil er bestialisch ist. Durch die serienmäßige Produktion dieses Gestanks, wird der Geruch zum Alltag und oft genug geht die stinkende Aura der AfD-Propaganda im Alltäglichen unter. Und das ist das größere Problem. Die Normalität.

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