Neuland

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Willkommen auf dem Blog Unsere Zeit! Wir, vier Studenten in Berlin, Friedrichshafen und Bielefeld, beobachten Zustände und Entwicklungen der Gegenwart und kommentieren diese über Blogeinträge. In einer Zeit, deren zunehmende Komplexität das Einnehmen klarer Standpunkte immer schwieriger macht, wollen wir Positionen und Argumente entwickeln, die uns und euch anregen, euer Denken im Idealfall weiterbringen und euch gerne auch aufregen sollen. Der Blog ist als eine Art Netzwerk gedacht, an dem sich prinzipiell jeder durch Kommentare oder auch eigene Artikel beteiligen kann.

Entstanden ist das Projekt im Mai 2013. Um neben dem wissenschaftlichen Arbeiten im Studium mit Fußnoten, Bibliographien und ständigem Bezug auf schon Gedachtes auch breitere, aktuellere, zugänglichere Gedanken und Texte zu produzieren, verpflichten sich die zunächst vier Autoren, je einen Beitrag pro Monat zu veröffentlichen. Die Themenwahl steht jedem weitgehend frei, obligatorisch ist nur ein Bezug zu unserer Zeit, zur Gegenwart. Der vorläufige Name des Blogs Unsere Zeit geht auf ein gleichnamiges Lied des Lyrikers PeterLicht zurück, soll darüber hinaus aber auch eine bestimmte Perspektive verdeutlichen: Wir schreiben als Angehörige einer jungen Generation. Damit wenden wir uns gegen eingestaubte Denkmodelle vieler älterer Themen- und Tonangeber in öffentlichen Diskursen, die ihre Lösungen für Probleme der Gegenwart am liebsten in der Vergangenheit suchen, gerne auch in ihrer eigenen, angeblich goldenen Jugend. Wir gehen lieber vom Offensichtlichen aus: Die Welt hat sich rasant verändert, und für die Fragen von heute sind Antworten von gestern nicht mehr ausreichend. Wir wollen nach vorne denken statt zurück, und an diesem Anspruch wollen wir auch gemessen werden.

Wir sind nicht die ersten, die den Namen Unsere Zeit verwenden. Der Name ist, warum auch immer, besonders unter langweiligen und/oder totalitaristischen Gruppen beliebt. Er wurde schon verwendet von Kommunisten, schlechten Rockbands, Nazis, Christen und Teenagern – und natürlich von unserem Peter. Ein Gegenmodell unter gleichem Namen ist daher eine ansprechende Perspektive. Eine eigene politische Verortung fällt uns gar nicht so leicht, ohne dass wir uns dabei in Traditionen stellen, mit denen wir im Zweifelsfall doch nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Wollte man uns festnageln, so würden wir uns am ehesten der Freiheit in staatlicher Selbstverwaltung verschreiben, in dem Sinne sind wir – für alle, die doch ein Label wollen – linksliberal. Warum das überhaupt voranschicken? Weil es redlich ist, die eigene Position offen zu legen, anstatt den Leser sie mühsam zwischen den Zeilen herausklamüsern zu lassen; weil es wichtig ist zu wissen, von welchen normativen Grundvorstellungen wir ausgehen, um unsere Probleme und Lösungsvorschläge – und sicher auch deren Grenzen – besser zu verstehen.

Andererseits heißt das nicht, dass hier nur linksliberale Positionen zu Wort kommen dürfen. Über die Kommentarfunktion sind Einwände direkt möglich; nach Absprache könnt ihr euren Widerspruch ggf. auch als Artikel veröffentlichen. Dieser Blog soll eine Plattform des Meinungsaustauschs und der Meinungsverschiedenheit sein; ein Ort, um Argumente zu entwickeln und auszuprobieren, Positionen zu beziehen und sie auch wieder zu räumen; Konsens wird nicht angestrebt. Es sollte auch nicht der falsche Eindruck entstehen, dass es hier nur um Politik gehen soll. Wir interessieren uns genauso für ökonomische, intellektuelle, ästhetische und überhaupt alle Entwicklungen, aus denen man etwas über die Gegenwart lernen kann.

Das Bloggen ist für uns alle Neuland. Als journalistische Dilettanten betrachten wir dieses Projekt als Experiment. Worauf der Blog hinaus läuft, welche Themen er behandelt und welche Positionen wir vertreten, das wird sich alles erst zeigen. Kritik, Anregungen und Fragen sind natürlich immer willkommen!

So weit erst mal: Viel Spaß also beim Lesen, Reflektieren und Kommentieren,
Erik, Sören, Adrian und Julian

About Author: Sören Brandes

Geboren 1989 in Paderborn, hat Geschichte und Literatur in Berlin und Lund studiert. Master in Moderner Europäischer Geschichte. Promoviert derzeit am Graduiertenkolleg „Moral Economies of Modern Societies“ am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung über die Mediengeschichte des Neoliberalismus. Lebt in Berlin-Neukölln und interessiert sich für eigentlich alles, insbesondere für Globalisierungsphänomene, den Einfluss der Massenmedien darauf, wie wir denken und leben, und europäische Politik. Mail: soeren@unserezeit.eu, Twitter: @Soeren_Brandes, Facebook: Sören Brandes View all posts by , , und

About Author: Erik Brandes

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About Author: Adrian Barfuss

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About Author: Julian Leitloff

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5 Gedanken zu „Neuland“

  1. Willkommen sei dieser Blog! In Ermangelung der abkürzenden Like-Schaltfläche ein kurzer Kommentar: Mir gefällt der unaufgeregte Ton, das Eröffnende, so wenig Abschließende, wenig Manifesthafte dieses ersten Eintrags, der weitere erwarten macht. Besonders wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang der distanzierende Hinweis auf die totalitären Kontexte, in denen üblicherweise die Rede von „Unserer Zeit“ ist. Trotz der aufmunternden Worte des US-amerikanischen Präsidenten am Brandenburger Tor würde ich nämlich behaupten, dass viele Menschen heute das Vertrauen in die Geschichtsmächtigkeit des Einzelnen, der Nationen und vielleicht der Welt weitgehend verloren haben. Stimmt man mir dabei zu, wird das „Wir“, dem „unsere“ Zeit zugeschrieben wird, zur rein formalen Universalität des Gleichzeitigen. Es handelt sich also nicht um die usurpierend, kolonisierende Geste einer Gruppe, die sich für das Ganze ausgibt, oder die Geschichtsmacht einer „Generation“ beansprucht, sondern um den Begegnungsort kontingenter Standpunkte, deren Gemeinsamkeit in diesem Ort und dieser Zeit bestehen. Dieser Sinn des „Wir“ als Ort, nicht als Identität, gefällt mir. Das Vorhaben scheint mir zeitgemäß und einer herzlichen Begrüßung wert. Ich freue mich auf die kommenden Beiträge!

  2. Vielen Dank! Ja, das scheint mir eine gute Interpretation unseres Ziels: streitbar, ohne dogmatisch zu werden; offen, ohne jeden identifizierbaren Standpunkt zu verabschieden. So ungefähr. Für Facebook-Likes würde ich den Post und das Blog gerne freigeben, hab aber noch nicht verstanden, wie das funktioniert. Hat jemand einen Tip?

  3. Hallo Neuland-Blogger,
    ein interessanter Anfang, hört sich vielversprechend an. Ich werde dabei sein und sehen, was ihr daraus macht. Viel Erfolg!
    Der Name gibt viel zu denken. „Unsere Zeit“ hat ja etwas Possessives, Besitzergreifendes, sie gehört uns. Wer aber ist das Wir dahinter? Natürlich ihr, aber doch auch alle Zeitgenossen und Mitlebenden, von denen sehr vielen der Besitz dieser Zeit gar nicht gegönnt werden kann. Ältere pflegen zu sagen: „Zu m e i n e r Zeit …“ galt das und das. Falls es Information bleibt und nicht mit Wertungen à la „war alles besser“ versehen wird, ist es wohl o.k., zeigt aber zugleich, dass die Gegenwart nicht mehr ihre Zeit ist. Sie meinen ihre Jugend. Und so ergreift ihr als Studenten, mithin junge Leute, euch hier die Zeit als Besitz. Mal sehen, wem ihr den Mitbesitz, falls man so sagen darf, gönnen und nicht gönnen werdet.

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