Das nächste große Ding aus Europa

Geschichten junger Digitalunternehmer sind Hollywood-Stoff: Der kauzige Sohn eines Einwanderers, der es nach Jahrzehnten der Perfektion und Entbehrung allen zeigt und das größte Unternehmen der Welt aufbaut. Oder der junge Nerd, der so erfolgreich ist, dass sich selbst Staatschefs um einen Termin bemühen. Die Filme über den Apple-Gründer Steve Jobs und Facebooks Mark Zuckerberg schaffen es zumindest für die Dauer des Films den Pioniergeist in uns zum Schwingen zu bringen. Nicht nur die Gründerszene begeistert sich für die Geschichten vom mittellosen, aber gerissenen Neuling, der es den verschlafenen Konzernen mal richtig zeigt. Auch die Politik begeistert sich für Startups und will je nach Tageszeit und Parteizugehörigkeit ein deutsches Facebook oder ein europäisches Google ermöglichen. „Das nächste große Ding aus Europa“ weiterlesen

Kauft um euer Leben: Warum deutsche Konzerne und Startups einander dringend brauchen

Konzerne und Startups: Was sich anhört wie David gegen Goliath, also ein natürlicher Kampf des sympathischen Rebellen gegen den dominanten Platzhirsch, ist eine viel komplexere Beziehung. Aktiengesellschaften und private Großunternehmen wuppen gesellschaftliche Großprojekte, wie flächendeckend Strommasten aufzustellen oder so ziemlich jeden mit einer Karosse zu versorgen. Für solche Herkulesaufgaben braucht es sehr viel Geld, viele Menschen und Zuverlässigkeit, denn auch Rüthen (wunderschön im nordrhein-westfälischen Hinterland gelegen) möchte Strom, Funkmasten und Internet. „Kauft um euer Leben: Warum deutsche Konzerne und Startups einander dringend brauchen“ weiterlesen

Warum Donald Trump wählen?

Wenn in einem Monat in den USA gewählt wird, haben die Nordamerikaner einen anderthalb Jahre währenden Wahlkampf hinter sich gebracht. Aufgedreht durch die Deregulierung von politischen Großspenden und abgedreht durch die Polarisierung der beiden großen Parteien, ist es eine Herausforderung, die wirklich wichtigen Töne im Wahlkampf zu hören.

Besonders aus europäischer Perspektive ist amerikanische Politik meistens irritierend vertraut und doch unverständlich – schon Barack Obama wäre in Deutschland nach einer Umfrage mit 77 Prozent gewählt worden. In Amerika dagegen gab es ein richtiges Rennen, obwohl die potentielle Vize-Kandidatin der Republikaner Sarah Palin hieß. Dass die Stichwahl zwischen dem ehemaligen Reality-TV-Tycoon Trump und der erfahrenen ehemaligen Außenministerin Clinton nicht ganz eindeutig für Letztere ausfällt, ist aus unserer europäischen Perspektive schwer nachvollziehbar.
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Feierabend – Vom Ende der Arbeit

Als in Frankreich im späten 19. Jahrhundert die Arbeiter durch Dampfmaschinen ersetzt werden sollten, flogen die Sabots. Die hölzernen niederländischen Treter sollten der Legende nach nicht nur die frühen industriellen Maschinen kaputt machen, sondern auch für das Wort Sabotage verantwortlich sein. Knapp einhundertfünzig Jahre später fliegen wieder Symbole des Protests. Doch diesmal richtet sich die zerstörerische Wut nicht gegen die dampfenden Ungetüme. Diesmal richtet sich die Wut gegen Autos und ihre lenkenden Tagelöhner, die stellvertretend für eine Weg-Digitalisierung der Arbeiterschaft stehen. „Feierabend – Vom Ende der Arbeit“ weiterlesen

Rechtes Denken, linkes Denken

Wenn man heutzutage jemanden so richtig beleidigen möchte, genügt es schon, ihn als politisch rechts zu bezeichnen. Schon ‘konservativ’ reicht aus. Denn das sagte ich meiner Begleitung nachts auf dem Nachhauseweg in einem Berliner Taxi. Das fand sie gar nicht gut, auch wenn es neutral festgestellt, wenn auch zugegeben nicht mehr ganz nüchtern vorgetragen wurde.

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The Big Short – Die Wette gegen unsere Generation

Die Hinweise, versteckt lediglich durch die Vielzahl der Fragmente, die wir jeden Tag wahrnehmen und als relevant oder irrelevant einstufen müssen, waren offen sichtbar. Das vermittelt The Big Short – ein Film über die Wallstreet-Trader, die der Immobilienblase von 2007 auf die Schliche kamen: ein riesiges Kartenhaus, sich selbst bestätigend und zusammengehalten von den Eigeninteressen der Spieler.

Dieses Gefühl des Hätte-wissen-müssens ist nach dem Ereignis so natürlich wie trügerisch: Hätte man wirklich wissen können, dass die Beziehung in die Brüche geht? War es tatsächlich abzusehen, dass das Internet sich so stark in allen Lebensbereichen durchsetzt? Im Nachhinein betrachtet fallen uns „die Schuppen von den Augen“ – warum also nicht vorher?

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Warum es kein deutsches Google gibt

Vor zwei Wochen ging es vor einem denkbar ungewöhnlichen Publikum um Gründung in Deutschland: Während es sonst Studenten sind, die mir mehr oder weniger freiwillig zuhören, ging es diesmal gemeinsam mit dem Wirtschaftsattaché der amerikanischen Botschaft um Gründen in Deutschland gegenüber Gründen in den USA. Der erste Unterschied: Der amerikanische Beamte hat nicht nur acht Jahre Behördenerfahrung, sondern in seiner vorherigen Karriere drei Unternehmen gegründet und zwei verkauft. Aus irgendeinem mir bis heute unerfindlichen Grund sollte ich mit ihm über die unterschiedlichen Gründungskulturen diskutieren. Dieser Artikel bedient sich einiger kluger Punkte meines US-Gegenübers und bringt viele fragwürdige Thesen von mir ein:

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Mut in Zeiten des Terrors

Wir Europäer seien „selber schuld“ an den Anschlägen, schallt es aus den Kommentaren – wegen einer imperialistischen Politik, sagen die einen. Wegen einer fehlgeleiteten Immigrationspolitik, sagen die anderen. „Zu schwach“ seien wir, „um unsere Werte zu verteidigen“.

Es ist ein vertrautes Gefühl nach der Katastrophe. Nach dem Schock, dass so etwas mitten unter uns passieren konnte und der Trauer über dieses Mädchen, dass da in Sneakers auf dem Boden liegt, die Arme friedlich überkreuzt und jetzt tot ist. So tot wie 130 weitere Menschen, die vorletzten Freitag ausgehen wollten. Es hätte auch meine Schwester sein können. Es hätte jeder sein können.
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Im Schatten der Sicherheit

Es gibt mutige Menschen in der Politik, dem Kulturbetrieb, der Bildung und Forschung, die unsere Unterstützung benötigen. Im Schatten der deutschen Sicherheit, da versauern die Talebs an der Universität in Mannheim, da welken die Kissingers in Münchener Schulen und stagnieren die Stanfords an einer Fachhochschule in Karlsruhe.

Henry Kissinger ist eine prominente Figur in den Vereinigten Staaten von Amerika. Bekanntlich war er einer der umstrittensten, aber auch aktivsten amerikanischen Außenminister. Wer jedoch Interviews mit Henry Kissinger hört, der stutzt: Seine Aussprache ist unverkennbar Deutsch. Und tatsächlich ist Henry Kissinger in Deutschland geboren. Genauer gesagt in Fürth in Bayern, dessen Fußballverein SpVgg Greuther Fürth er treu geblieben ist. Warum kann also einer wie Kissinger in Amerika so hoch aufsteigen? Und – eine Frage, die sich unweigerlich aufdrängt – was wäre er wohl in Deutschland geworden?

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Japanische Verhältnisse – eine Polemik

Die Ampeln sind laut in Japan. Schaltet eine auf grün, ertönt eine Melodie. Wie das Intro eines Gameboyspiels dröhnt aus den Ampeln zum Gehen Musik und gewöhnt die Passanten besser an die Ampelphasen als Pavlov seine Hunde ans Essen. Alles in Japan scheint zu blinken und laute Geräusche von sich zu geben.
Die Bahnen sind größer und voller, während ihre Insassen fast still sind. Mit erschreckender Effizienz reihen sich die Pendler selbst in überfüllten Bahnhöfen in Reih und Glied, nur um wie ein engmaschiges Kettenhemd die Fahrt in völliger Stille zu durchstehen.

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