Besser anders: Zum Rücktritt Stephan Jansens als Präsident der Zeppelin Universität

Ehemaliger Präsident der Zeppelin Universität Prof. Dr. Stephan Jansen
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Endlich weg. Das könnten sich sowohl die Gegner des scheidenden Präsidenten der Zeppelin Universität gedacht haben, als auch Prof. Dr. Stephan Jansen selbst. Elf Jahre, nachdem er die Universität gründete, die er seither zur Hochschul- und Promotionsakkreditierung führte, verlässt er die Universität. Ungewöhnlich für eine Hochschulpersonalie bei einer Studentenschaft von etwas über eintausend Studenten ist die Aufmerksamkeit: Ein Bericht des Südkuriers über leistungsbezogene Zahlungen der Universität an ihren Präsidenten in Verbindung mit seinem Rücktritt zog unter anderem das Interesse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, von Spiegel Online sowie des Manager Magazins auf sich. So viel Interesse der großen Zeitungen an der kleinen Universität gab es zuletzt bei der Verleihung des Promotionsrechts.
Am Bodensee schlagen bereits seit einigen Monaten die Wellen immer höher: Die Trägergesellschaft der Universität beschloss, den vor noch nicht allzu langer Zeit berufenen Kanzler wieder abzusetzen, und löste damit einen öffentlichen Protest von Teilen der Mitarbeiterschaft aus. Dieser richtete sich wohl ebenfalls gegen den Führungsstil des Präsidenten. Zur gleichen Zeit erschienen mehrere Artikel im Südkurier, die auf eine vermeintliche finanzielle Schieflage und Misswirtschaft an der Privatuniversität aufmerksam machten.
 
Konkret wird Professor Jansen vorgeworfen, von einem System für die leistungsbezogene Vergütung von Drittmitteleinwerbung übermäßig profitiert zu haben. Diese sogenannten Retainer-Zahlungen sollen den fördernden Unternehmen nicht transparent gemacht worden sein. So profitiert nicht nur der Präsident von einer anteiligen Vergütung von 510 Prozent, sondern mit ihm alle Mitarbeiter, denen die Akquise von Fremdmitteln gelingt.
 
Gelungen ist es jedoch hauptsächlich Stephan Jansen, diese Mittel zu akquirieren. Die Jacobs University in Bremen hatte selbst nach einer Zuwendung von 200 Millionen Euro mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen, während für die krisengeplagte European Business School 60 Millionen aus öffentlicher Hand finanziert werden mussten. Während sich also selbst bekannte Privatuniversitäten als akademische Lehman Brothers entpuppten, gab es bis heute keine Zahlungsschwierigkeiten und öffentlichen Mittel an der Zeppelin Universität. Offensichtlich ist es mit diesem leistungsbezogenem Vergütungssystem gelungen, eine solide Finanzierung zu gewährleisten, ohne öffentliche Gelder zu beziehen. Eine solche Finanzierung öffentlich in Zweifel zu ziehen, kann weitreichende Konsequenzen haben, wie zuerst schon Leo Kirch und Jahre später die Deutsche Bank erfahren haben. 
 
Keine vertrauensfördernde Maßnahme ist die Einwerbung von Drittmitteln ohne den Hinweis auf Sonderzahlungen. Das betrifft die direkte Beziehung von Universität und Förderern. Warum sollte sich ein Unternehmen in die Vergütungspraxis einer Universität einmischen, wenn die akademischen Leistungen stimmen, wie selbst der Südkurier zugibt? Dass es hier Nachbesserungsbedarf gibt, lässt die Uni durchaus durchblicken. Aber gerade für Situationen, in denen die Interessen der Geschäftsführung nicht mit den Interessen der Institution übereinstimmen, gibt es den Aufsichtsrat. Dieser hat die Verträge mit Herrn Jansen ausgehandelt und den Akquiseprozess gekannt. Warum es also die Causa Jansen sein soll, die vom Südkurier herbeigeschrieben wurde, ist aus dieser Perspektive nicht nachzuvollziehen.
 
Wer Ungewöhnliches leistet wird wohl etwas anders machen. Und nicht die Art anders, wie sie mit besser verwechselt wird. Das Besser als das lineare Weiterzeichnen, als inkrementelle Änderung und induktives Vorgehen. Dagegen ist das Anders sprunghaft, radikal und abduktiv. Das Verhältnis von Besser zu Anders ist also aus der Natur der Sache heraus von Dissonanz geprägt.
 
Es kann schon ziemlich nerven, wenn jemand um des Andersseins willen anders sein möchte. Besonders, wenn man eigentlich besser sein will. Dann, wenn man sich eine gute Ausbildung wünscht, um später bei McKinsey, der Deutschen Bank oder Rocket Internet Bekanntes besser machen möchte. Besonders, wenn man Mitarbeiter für sein besser-Unternehmen sucht. Besonders, wenn man etablierte Forschung verbessern möchte. Dieses Anders nervt, denn wer etwas anders macht, wird viel häufiger scheitern.
 
Nur anders geht aber auch nicht, denn dann bleibt die Dissonanz ohne Auswirkung. Die Mischung zwischen dem Etablierten für den Einfluss und der Dissonanz für die Durchschlagskraft macht es spannend. Gesucht ist also der Greenpeace-Aktivist im Gewande des Rotary Clubs.
  
Dieses Austarieren des flüchtigen Gleichgewichtszustandes zwischen dem Etablierten und dem Neuen ist Stephan Jansen gelungen. Er hat die leeren Lehrstühle mit renommierten Forschern besetzt, den Ehrenplatz beim Funding-Dinner mit Prominenz aus Politik und Wirtschaft und die ein oder andere studentische Parklücke mit einem vom Vater finanzierten Audi TT (und damit Spenden für die Universität). Finanziell aussichtsreich ist auch sein Kontakt zu unternehmerischen Brieffreunden, während ihm die schriftliche Eloquenz Reichweite in seiner Kolumne in der BrandEins verlieh.
 
Gleichzeitig ist Diversität an der Universität kein Versprechen in der Hochglanzbroschüre geblieben. Der ‚was hast du vorher gemacht?‘-Test unter Kommilitonen fällt meist alles andere als stromlinienförmig aus und ist nicht minder beeindruckend. Reflexion ist hier kein Messgrad der sozialen Akzeptanz, sondern institutionalisierter Bestandteil des Curriculums und eine der größten Studienleistungen. Dieses ständige Hinterfragen als Operationsmodus durchzieht die Lehre und das Miteinander und ist ein nach außen getragener Charakterzug des Gründungspräsidenten.
 
Es geht nicht darum, das Anders als Differenzierungsmerkmal aufzuwerten. Bei McKinsey zu arbeiten und an der WHU studiert zu haben ist sicherlich ehrenwert und wahrscheinlich braucht die Gesellschaft viel mehr Besser, als sie Anders braucht.
 
Sie braucht aber auch Anders und die Zeppelin Universität unter Stephan Jansen ist eine Universität, die anders war.
Leider ist er weg. Dieser Universitätspräsident, der einfach keine Ruhe geben kann und das Etablierte immer wieder in Frage stellt. Dass mit ihm nicht dieser Wesenszug einer besonderen Universität geht, dafür müssen jetzt ihre Studenten einstehen, denn sie sind die eigentlichen Verlierer des Abgangs von Stephan Jansen.

Der Rücktritt von Stephan Jansen wurde im Februar 2014 angekündigt und am 8. September 2014 vollzogen. Laut der offiziellen Pressemitteilung der Universität geht Stephan Jansen als Gastprofessor an die amerikanische Stanford University. nford Universit

2 Gedanken zu „Besser anders: Zum Rücktritt Stephan Jansens als Präsident der Zeppelin Universität“

  1. Selten so gelacht. Ich zitiere mal Alfred Kieser: „Im Grunde gibt es auf Krisen wie diese nur eine Reaktion: schonungslose Aufklärung und rigorose Trennung von den Personen, welche die unheilvolle Entwicklung heraufbeschworen haben. Die ZU ist nach dem Ausscheiden des Expräsidenten eine andere geworden, und das ist gut so.“

    http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/friedrichshafen/info/Alfred-Kieser-8222-Schonungslose-Aufklaerung-noetig-8220;art1014574,8119200

    Jansen ein Gewinn für die Uni? Wohl nur, wenn man auf potemkinsche Dörfer steht. Oder auf Schneeballsysteme. Oder andere Blendwerke.

  2. Es ist einfach, diese Idee einer Universität wegzuwischen, mit dem Verweis auf vermeintlich 'harte Fakten'. Geld und Zeit gegen Bildung, das sind die linearen Tauschbeziehungen, die zwar einfach zu fassen sind, sich aber nicht von jeder anderen Business School unterscheiden. Mit der Einschätzung, dass hier ein besonderes universitäres Experiment geglückt ist, stehe ich nicht alleine, wie meine ehemaligen Kommilitonen eindrucksvoll schildern:

    Herrn Kieser ist ein rennomierter, emeritierter Mannheimer BWL Professor und zum Zeitpunkt der Präsidentschaft 71 Jahre alt. Dass er sich für die Zeit seiner Interimspräsidentschaft in gewohnte Strukturen flüchtet, als die Herausforderung einer dynamischen Universität anzunehmen, hat wohl weniger überrascht. Dass der Südkurier darüber berichtet im übrigen auch nicht.

    Wenn Sie mögen, können wir dazu persönlich diskutieren. Dazu müsste ich nur Ihren Namen wissen, lieber Anonym.

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