Unsere Zeit – ein kultureller Raum der Hybridität?

Wollen wir eine Gesellschaft, die angstgeleitet agiert und ihr Handeln durch eine pejorative Beschreibung und Konstruktion des Anderen verteidigt? Oder lassen wir Transformationen zu, brechen polare Denkmodelle auf und verändern auch unsere Identitäts- und Kulturauffassungen in Richtung einer sowieso schon globalen Welt?

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„Ich bin Deutsche, habe braune Augen, lange Haare und bin schwarz. Ich bin aber Deutsche“, sagt sie zu ihrer Verteidigung. Warum Verteidigung? Weil sie, eine afrodeutsche Bekannte, jede Woche mindestens einmal gefragt wird, aus welchem Land sie denn kommen würde, als sei es ganz klar, dass sie keine Deutsche sein könne. Die zweite Frage, die sich anschließt, ist meistens: und woher kommen deine Eltern? Wenn sie die Frage dann auch mit „Deutschland“ beantwortet, hört die Hälfte auf zu fragen, woher denn ihre Großeltern stammen. Die andere Hälfte würde vermutlich auch noch bis in die Urgroßelterngeneration zurückfragen, nur um ihre ‚nichtdeutschen Wurzeln‘ zu entdecken. „Ich bin ein Hybrid“, sagt sie und schließt an: „aber sind wir das nicht irgendwie alle?“

In einer Zeit der Globalisierung wird auf den unterschiedlichsten Ebenen von Hybridität geschwärmt. Von einer grenzenlosen Welt, in der die lateinamerikanischen Bananen auch im deutschen Winter in die Supermärkte kommen, in einer Welt, in der wir guatemaltekischen Kaffee importieren, peruanische Schokolade essen, Videokonferenzen mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Tochterfirma in Japan abhalten und noch schnell der Austauschstudentin aus Amerika, Kanada oder Afrika zurückschreiben, die seit einem Monat nicht mehr in Deutschland ist, uns jedoch jeden Tag über ihr Leben auf dem Laufenden hält. Unser Alltag ist schon längst interkulturell und international – vielleicht wird es JETZT Zeit über unsere Auffassungen von Identitäten und Kulturen nachzudenken. Deutschland ist nicht erst jetzt international, Europa nicht erst seit den neuesten Flüchtlingsströmen ein hybrider Erdfleck.

Hybride Kulturen und Identitäten nehmen einen wichtigen Stellenwert in der globalisierten Welt ein, sind unabdingbar und werden in Zukunft noch unabdingbarer. Besonders in Zeiten des globalisierten Austausches auf der Ebene der Wissenschaft durch Auslandsaufenthalte, Kooperationen und internationale wissenschaftliche Projekte oder Graduiertenkollegs, oder auf der Ebene der Wirtschaft und der Politik durch die Stärkung der internationalen Beziehungen wird Internationalität gelebt. Auch in einer Gegenwart von Migration und einem Europa, das seinen Umgang mit Flüchtlingen erst noch finden muss, zeigt sich die hohe Relevanz eines Kultur- und Identitätsverständnisses, das Entwicklung und Hybridität als Grundbaustein setzt. Hybride Kultur- und Identitätskonstruktionen sind notwendig, um polare Einteilungen zu vermeiden, Ausgrenzungen und Diffamierungen einzuschränken und Vielfalt zuzulassen. Konzepte der Pluralität, der Hybridität und Interkulturalität sind international gut erforscht und zu verschiedenen historischen Zeitpunkten analysiert worden. Die Tatsache, dass es internationale Forschungen gibt, die sich mit der Thematik auseinandersetzen, zeigt sich besonders an der hohen Anzahl der Begriffe, die sich von Synkretismus, interkulturellem Transfer über Trans(it)Areas, dem Begriff der Mobility bis hin zum Dritten Raum und dem Begriff der Transkulturation erstrecken und alle die Hybridität als gemeinsamen Nenner haben. Doch nun sind wir in der Gegenwart plötzlich mitten drin in einer hybriden Gesellschaft, in einem transkulturellen Alltag und befinden uns, wie der postkoloniale Theoretiker Homi K. Bhabha festhält, „[…] in the moment of transit where space and time cross to produce complex figures of difference and identity, past and present, inside and outside, inclusion and exclusion.“ Momente des Übergangs, wie wir ihn jetzt erleben, komplexe Konfigurationen von Differenz, Ambivalenz und Zwischenräumen implizieren Veränderung und lösen eine Auseinandersetzung mit ‚Andersartigkeit‘ aus. Der Mensch tendiert jedoch bisher dazu, differenzierte, plurale Ansätze abzulehnen und eindimensionale, homogene oder duale Systeme und Verständnisse von Identitäten, Kulturen und Orten zu bevorzugen. So werden Kulturen und Menschen schnell mit Stereotypen belegt, voreilig ‚verstanden‘ und einheitlich betitelt. Es ist von ‚den Flüchtlingen‘ die Rede, von ‚mittelalterlichen Rollenbildern‘, die sie mitbringen, von ‚der Art und Weise, wie sie Frauen in Deutschland behandeln‘, als könne man Flüchtlinge aus Syrien, der Türkei oder Eritrea durch einen Einheitsbegriff beschreiben.  Es gibt schon erste Kategorisierungen von guten und schlechten Flüchtlingen. Dabei verschwindet jeder einzelne Mensch hinter der Maske, die neuerdings Flüchtling genannt wird.

Maske - der Immigrant

Wir konstruieren eine Identität, die weder dem einzelnen ‚Flüchtling‘ nahe kommt, noch uns selbst etwas Positives verspricht. Es ist die reine Projektion unserer eigenen Ängste, Vorurteile und Klischees, die mehr über uns verraten, als Europäer, die erneut ‚die Anderen‘ beschreiben, als es etwas über diese vermeintlich Fremden aussagt. Auch in der Geschichte ließen sich viele Beispiele nennen, die das Bevorzugen des Bekannten und die Ablehnung des vermeintlich Fremden bezeugen. Man könnte zum Beispiel den Kolonialismus nennen, in dem letztendlich stärker das ‚Eigene‘ durch das vermeintlich ‚Fremde’ und ‚Andere‘ dargestellt wurde, als dass die Beschreibung des Anderen etwas über die Identität des Kolonisierten berichtet hätte, der in Wahrheit gar nicht von Interesse war. Zweitens ist der Holocaust zu nennen, der ein sehr extremes Beispiel von Polarität darstellt, aber verdeutlicht, welche Auswirkungen Binaritäten und Verallgemeinerungen des ‚Anderen‘ und ‚Fremden‘ haben können.

Immer wieder kam es in der Geschichte zur Suche nach einem fixierten Ort, nach festen Identitäten und eingeschriebenen Kulturen und der Bildung eines „Two-Category System.“ Letzteres beruht auf polaren Prämissen, schafft marginalisierte Gruppen und etabliert, durch Unterteilungen in Dualitäten, das „Zwei-Kategorien-System“ als Machtinstrument. Die Möglichkeit einer solchen Entwicklung von Stereotypen, die sich zu institutionellen Diskriminierungen und Marginalisierungen auswachsen, beruht auf einem polaren Denkmuster. Das Konzept einer festen, abgeschlossenen und superioren Kultur und Identität negiert oder marginalisiert Teile dieser Kultur und Identität. Wenn wir so viel von Integration und Inklusion sprechen, dann könnte jetzt ein Zeitpunkt sein, um Theorien im Alltag anzuwenden. Dazu muss natürlich erst das Bewerten anderer Kulturen und Identitäten kritisch hinterfragt und reflektiert werden, damit man bereit ist, eine hybride Gesellschaft nicht in ihre einzelnen Gruppen zu unterteilen, sondern als Ganzes einen Raum zu schaffen, der genau so international ist, wie wir unsere globalisierte Welt darstellen. Ein Verständnis der Identität und der Kultur als Prozess kann Räume der Entwicklung eröffnen, deren Ziel nicht das Bewerten von Kulturen ist, sondern deren fortwährende Bewegung und Hybridität. Diese Räume der Entwicklung sind in Homi K. Bhabhas Worten Zwischenräume der Interaktion:

Diese „Zwischen“-Räume stecken das Terrain ab, von dem aus Strategien individueller oder gemeinschaftlicher Selbstheit ausgearbeitet werden können, die in dem aktiven Prozess, die Idee der Gesellschaft selbst zu definieren, zu neuen Zeichen der Identität sowie zu innovativen Orten der Zusammenarbeit und des Widerstreits führen.

Solange die polare Einteilung in die verschiedensten Kategorien (weiblich-männlich, schwarz-weiß, erste Welt-dritte Welt, Fremd-Eigen) das Denken der Menschen bestimmt, solange werden Stereotype, Diskriminierungen und Machtdiskurse ihr Handeln bestimmen. Schaffen wir jedoch einen Dritten Raum, in dem es zu Interaktionen, zu einer Auseinandersetzung mit der neuen, sich im Prozess befindenden Identität Deutschlands und Europas kommt, so wachsen wir an Veränderungen und gestalten kulturelle Identität bewusst, integrativ und international mit. Die Geschichte hat uns oft genug gelehrt, dass polare Denkweisen zu Diskriminierungen und Marginalisierungen führen, die wir bitter bezahlen. Wie schon der polnisch-deutsche Psychologe Kurt Lewin festgehalten hat, bestimmt sich das Verhalten eines Menschen aus der Funktion der Person und ihrer Umwelt. Lassen wir Menschen Teil unserer Gesellschaft sein, sodass diese mitbestimmen und gemeinsam eine Umwelt schaffen können, die Differenzen akzeptiert, so konstruieren wir ein Verhalten, das auf Kooperation und Austausch beruht. Lewin hat selbst erfahren, wie weit polare Konstruktionen von Identitäten gehen und was sie bewirken können. Er musste auf Grund seiner jüdischen Wurzeln 1933 in die USA emigrieren und kehrte daraufhin nie wieder nach Deutschland zurück. Eine solche gesellschaftliche Entwicklung sollten wir nicht noch einmal zulassen.

Auch jetzt werden wir in Europa mit einer ‚Vielzahl an Entwicklungen‘ konfrontiert, deren Potential wir nutzen sollten. Es liegt an uns die Zukunft zu gestalten, einen Gegenentwurf zu bipolaren Rastern zu liefern und einen Raum der Möglichkeiten zu schaffen. Diesen Raum können wir eröffnen, in dem wir nicht in polare Muster zurückfallen, Kritik an dem Einheitsbegriff des ‚Flüchtlings‘ üben und die Konstruktion des ‚fremden Flüchtlings‘ als solche entlarven. Die Kritik des binären Denkens ist auch in Majorie Garbers Worten notwendig, „gleichgültig, ob man das an männlich und weiblich, schwarz und weiß, ja und nein, republikanisch und demokratisch, Selbst oder Anderer oder auf irgendeine andere Weise durchführt.“ Trotzdem finden sich immer wieder Beispiele dafür, die zeigen, dass bipolare Denkweisen auch in der Konstruktion von Kulturen und Identitäten vorzufinden sind und dass diese Polaritäten zu Diskriminierung, Mikroaggressionen und Stereotypen bis hin zu Rassismus führen. Elisabeth Bronfen erklärt das Phänomen des Wunsches nach dualen Einordnungskategorien durch den Begriff der „unumgänglichen Ambivalenz […], die unserer multikulturellen Welt innewohnt“. Diese Ambivalenz beruht auf einer „Vorstellung von Nation und de[m] Trost der Zugehörigkeit zu einem heimisch-vertrauten Ort“ und ist mit „der unheimlichen, aber unvermeidbaren Bedrohung verschränkt, die von dem kulturell Anderen ausgeht“. Wollen wir eine Gesellschaft, die angstgeleitet agiert und ihr Handeln durch eine pejorative Beschreibung und Konstruktion des Anderen verteidigt? Oder lassen wir Transformationen zu, brechen polare Denkmodelle auf und verändern auch unsere Identitäts- und Kulturauffassungen in Richtung einer sowieso schon globalen Welt?

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Im Kontakt zweier Kulturen kommt es laut Homi K. Bhabha zu einem „Dazwischentreten des Dritten Raumes der Äußerung“, der einen ambivalenten Prozess oder in Bhabhas Worten einen „contradictory and ambivalent space of enunciation“ darstellt. Der Dritte Raum Homi Bhabhas ist somit kein topografischer Raum; es ist ein Akt des kulturellen Ausdrucks, ein widersprüchlicher, ambivalenter Äußerungsraum. Die Ambivalenz entsteht durch die Unmöglichkeit, bewusst Bedeutungen zu konstituieren, die für beide Gesprächspartner – oder in dem Fall des Kulturkontaktes für beide Subjekte einer Kultur – verständlich sind. Die Sprache und der Akt der Interpretation bleiben für Homi K. Bhabha ambivalente Instanzen: „It is this difference in the process of language that is crucial to the production of meaning and ensures, at the same time, that meaning is never simply mimetic and transparent.“ Diese Auffassung hat ein Überdenken der Perspektive auf die kulturelle Identität zur Folge: Denn wenn die Sprache innerhalb einer Kultur ambivalent ist, dann resultiert daraus auch, dass es keine ‚Reinheit‘ einer Kultur gibt, genauso wenig wie eine Homogenisierung oder Vereinheitlichung, sondern dass auch die Identität einer Kultur ambivalent, hybrid ist. Denn wenn Bhabha seine These damit stützt, dass „the meaning of the utterance is quite literally neither the one nor the other“, dann resultiert daraus, dass auch eine Kultur und eine Identität weder das eine noch das andere sein kann. Bhabha erteilt somit vorausgegangenen bipolaren und homogenen Kulturtheorien eine Absage, indem er den Dritten Raum einführt:

Eben jener Dritte Raum konstituiert, obwohl „in sich“ nicht repräsentierbar, die diskursiven Bedingungen der Äußerung, die dafür sorgen, dass die Bedeutung und die Symbole von Kultur nicht von Anfang an einheitlich und festgelegt sind und dass selbst ein- und dieselben Zeichen neu belegt, übersetzt, rehistorisiert und gelesen werden können.

Der Raum dazwischen ist nicht repräsentierbar und ambivalent und doch stellt diese Form des Dritten einen Raum der Entwicklung dar, der abseits jeder Statik und Polarisierung liegt und neue Möglichkeiten für plurale Gesellschaften eröffnet, die Divergenzen tolerieren. Kulturen sind somit „Hybridfomationen […], [die] ausgehend von ihrer Formation aus dem Dritten Raum heraus, immer unrein, gemischt, differenziell“ sind.

Deutschland, die deutsche Identität und deutsche Individuen sind doch bereits hybrid – mit Flüchtlingen oder ohne. Wir leben in einer globalisierten Zeit, teilen unseren Alltag seit Jahren mit Deutschen, die zwei oder drei Generationen zurück ein Familienmitglied haben, das nach Deutschland eingewandert ist – aus Italien, der Türkei, aus Amerika oder Spanien. Deshalb sollten wir das Potential von Transformation und Hybridität nutzen und gemeinsam Ziele stecken und angehen. In Betracht der aktuellen Situation in Europa, die von Zuwanderung geprägt ist, wird es notwendig, Kultur- und Identitätskonzepte neu zu überdenken und kritisch zu reflektieren. Dazu ist es wichtig, die Ursachen, Gründe und Mechanismen binärer Identitäts- und Kulturauffassungen zu verstehen. Insbesondere in Zeiten eines kulturellen Umbruchs und der Entstehung eines Dritten Raumes durch den Kulturkontakt besteht die Gefahr, in duale Definitionen und Denkmuster zurückzufallen.

Regardless of their affiliation to the right, left, or centre, groups have fallen back on the idea of cultural nationalism, on the overintegrated conceptions of culture which present immutable, ethnic differences as an absolute break in the histories and experiences of ‘black’ and ‘white’ people. Against this choice stands another, more difficult option: the theorisation of creolisation, métissage, mestizaje, and hybridity.

Die Dekonstruktion dualer Muster, die Neuverhandlung von Kultur und Identität und die iterative Überprüfung der Sprache, die einen Schlüssel zur Identität darstellt, werden neue Herausforderungen unserer Zeit sein. Diese sich im Wandel befindenden, gerade neu entstehenden Räume bieten viel Potential, unsere Möglichkeiten auszuschöpfen und dem Stillstand und der Prämisse der idealisierten Ganzheit und Reinheit eine Absage zu erteilen.

Bilder:

Sterne: Greg Rakozy, veröffentlicht über: https://unsplash.com/grakozy (gemeinfrei)

Maske: Erik Marquardt, mit freundlicher Genehmigung, für Fotoanfragen: mail@erik-marquardt.de

Beine: Mathew Wiebe, veröffentlicht über: https://unsplash.com/matthewwiebe (gemeinfrei)

3 Gedanken zu „Unsere Zeit – ein kultureller Raum der Hybridität?“

  1. Vielen Dank für den Artikel, Isa! Auch ich halte wenig vom bipolaren Einteilen in eigen/fremd oder wir/die anderen. Ich glaube sogar, dass in dieser Grenzziehung viele der Probleme liegen, die wir im politischen oder auch im alltäglichen Diskurs beobachten.

    Ich finde daher den Ansatz interessant, diese Linie mithilfe von Konzepten wie Zwischenräumen oder Mischkulturen zu überschreiten. Ich frage mich allerdings, ob man damit nicht das Problem, zumindest terminologisch, reproduziert, weil man gewissermaßen ehemals einheitliche, unterscheidbare Räume und Kulturen voraussetzt. Und das halte ich, zumindest für die letzten 200 Jahre, für eine zweifelhafte Vorstellung. Ich frage mich also, ob man sich nicht schlicht von Konzepten wie „Kultur“ oder „Identität“ verabschieden sollte (oder aber gleich umfassend deutet à la „Weltkultur“), weil sie begriffsgeschichtlich zu homogenisierend angelegt sind.
    Die Anwendung solcher Vorstellungen bringt einen konsequenterweise zu der eigentlich paradoxen Erkenntnis, dass „die Identität einer Kultur ambivalent, hybrid ist“. Aber bedeutet Identität nicht eigentlich Gleichheit, Übereinstimmung? Mit wem bin ich identisch? Ich würde behaupten: Maximal mit mir selbst.

    Anders gesagt: Statt von der Verschiedenheit – und heutigen Vermischung – von Kollektiven möchte ich lieber von der Verschiedenheit aller Menschen ausgehen.

    1. Lieber Erik, da gebe ich dir Recht – es soll auch von der Verschiedenheit aller Menschen ausgegangen werden. Von dem Begriff einer ‚Weltkultur‘ bin ich jedoch gar nicht überzeugt. Ich denke dieser Begriff würde erneut das bewirken, was jahrelang passiert ist: eurozentrische Perspektiven, die Idealisierung einer ‚Weltkultur‘, die alles, was nicht ‚Standard‘ ist (westlich, männlich, weiß?) als ‚unwichtig‘ deklariert oder gar nicht erst zu Wort kommen lässt. Dieser Begriff würde eher zu einer Homogenisierung führen und Differenzen verwischen. Auf den wenigen Seiten habe ich vielleicht nicht deutlich genug gemacht, dass ich sowohl Kulturen als auch Identitäten als Konstrukte verstehe und Gender und Race als ‚performative Akte‘. Ich denke, dass es wichtig ist sich bewusst zu machen, dass Kulturen und Identitäten Konstruktionen sind, die von uns Menschen geschaffen werden und somit auch veränderbar sind, immer schon waren und immer sein werden. Die Transformation dieser Konstrukte liegt somit in unserer Hand. Identität und Kultur eine Absage zu erklären ist zu kurz gedacht, deshalb mein Vorschlag: Das Verständnis von Identitäten und Kulturen zu verändern und eben NICHT mehr als „identisch, einheitlich“ und unveränderbar anzusehen, sondern als Prozess, als Raum der Äußerung, der Möglichkeiten und der bewussten Konstruktion und Transformation!

      1. Dann liegt der Unterschied zwischen unseren Ansätzen wohl bloß in der Herangehensweise zur Begriffsbildung: deskriptiv oder transformativ.
        Mit Weltkultur sollen also nicht etwa „Weltkulturgüter“ beschrieben werden, sondern die Beobachtung, dass es global wirksame Erwartungen gibt: Staatsbildung, Organisationsbildung, Marktbildung, „Selbstbestimmungsrecht der Völker“, Menschenrechte usw.

        Eine Umdeutung der ursprünglichen Begriffe ist aber sehr wünschenswert. Und einen Versuch sicherlich wert!

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